Die Passionsspiele kehren zurück: Musik und Kostüme als tragende Elemente

Schwäbisch Gmünd (rawi) – Drei Jahre nach der Wiederaufnahme der Gmünder Passionsspiele nach über 220 Jahren kehrt das außergewöhnliche Theaterprojekt auf den Schönblick zurück. Für Adelheid Abt, die erneut die musikalische Leitung übernimmt, und Gundi Mertens, verantwortlich für sämtliche Kostüme, ist es weit mehr als eine bloße Neuauflage. Beide sprechen von einer besonderen Verantwortung – künstlerisch wie inhaltlich.

„Das musikalische Konzept für die Passionsspiele zu entwickeln, war eine große Aufgabe“, sagt Adelheid Abt rückblickend. Gemeinsam mit Regisseur Matthias Ihden habe sie nach Musik gesucht, die das Passionsgeschehen in jeder Szene am besten untermalt. Wort und Klang sollten ineinandergreifen und Stimmungen spürbar machen. „Bis zur ersten Aufführung wusste man nicht, wie gut Wort und Musik zueinander passen. Das war echt spannend.“ Heute gehe sie gelassener an das Projekt heran. „Das Konzept steht“, sagt sie, betont aber zugleich: „Ohne Gottes Kraft und sein Wirken geht gar nichts.“
Musikalisch setzt die Neuauflage auf Bewährtes mit behutsamen Veränderungen. Viele Mitwirkende seien wieder dabei, vor allem das Kammerorchester “musica salutare”, neue Instrumentalisten und Sänger kämen hinzu. „So hoffe ich, dass wir wieder musikalisch und menschlich zu einem schönen Klangkörper zusammenwachsen.“ Ein neues Stück komme hinzu, ein anderes falle weg, „aber der große Bogen bleibt“. Das Spektrum reicht von Johann Sebastian Bach über Béla Bartók bis hin zu Sefora Nelson, ergänzt durch freie Improvisationen. „Worte können im Kopf hängenbleiben“, erklärt Abt. „Musik hingegen kann unser Herz ansprechen und berühren.“ Besonders eindrücklich seien Momente, in denen alle Darsteller gemeinsam singen oder wenn Jesus ganz zart musikalisch begleitet wird. 
Parallel dazu arbeitet Gundi Mertens an der visuellen Dimension des Geschehens. Für sie sind die Passionsspiele „im Vergleich zu anderen Theaterstücken etwas ganz Besonderes – mystisch, lebendige Geschichte“. Gerade in der heutigen Zeit sei es wichtig, „zum christlichen Glauben zu stehen. Ein Statement zu setzen.“ Der Spielort Schönblick sei ideal: „Eine sehr gute Atmosphäre, die alle umhüllt.“ Trotz der relativ schmalen Bühne spüre man „eine enorme Energie“. Für Mertens steht fest, dass die Passionsspiele idealerweise alle zwei oder drei Jahre stattfinden sollten, um Tradition und christliche Geschichte lebendig zu halten.

In der Gewandmeisterei wurden zahlreiche Anpassungen vorgenommen. „Ich versuche zu verbessern, was beim letzten Mal nicht perfekt war.“ Neue Stoffe wurden gefärbt, Gewänder angepasst – bei den zwölf Aposteln ebenso wie beim Volk. „Das Gewand soll die jeweilige Rolle einrahmen.“ Farben, Akzente und Accessoires lassen Gut und Böse erkennbar werden. Kaiphas trägt den „mächtigsten Hut“ als Zeichen seiner Position. Die Darstellung von Rolf Dieter Degen sei „exzellent gespielt“. Auch Friederike Schöll als Maria Magdalena hebt Mertens hervor. „Ihre Schönheit und die glasklare Stimme passen zur Rolle.“
Einen Favoriten zu benennen falle schwer. „Ich liebe sie alle“, sagt sie, um dann doch klar zu werden: „Jesus mit Dannie Lennertz ist und bleibt mein Favorit.“ Bereits 2023 habe dessen Darstellung das Ensemble ergriffen. „Er hat uns alle in seinen Bann gezogen, so authentisch.“ Hinter der Bühne sei spürbar gewesen, warum dieses Stück gespielt werden müsse. Dieses Gefühl wünsche sie sich auch für das Publikum.
Die Anproben verliefen in freudig erwartungsvoller Atmosphäre, die Zusammenarbeit mit dem Schönblick sei konstruktiv und harmonisch.
Für Adelheid Abt und Gundi Mertens unisono ist die Passion mehr als historisches Drama. „Der Tod Jesu bedeutet weitaus mehr: Hoffnung“, sagt Mertens. So entsteht erneut ein Zusammenspiel aus Klang, Farbe und Überzeugung – leidenschaftlich, einfühlsam und voller Energie.