Veeh-Harfen machen scheinbar Unmögliches möglich

„Die Veeh-Harfe ist ein echter Segen in der Inklusionsarbeit, aber auch für jeden, der schnell Fortschritte in der Musik machen möchte“, sagt Dominique Selz. Die Sozialpädagogin leitet mit Waltraud Kaufmann auf dem Schwäbisch Gmünder Schönblick die Inklusionsarbeit in der Musik. Dabei ist in den letzten Jahren ein gemischtes Ensemble entstanden – und zeigte sein Können schon bei mehreren Auftritten. Zwar hat die Corona-Pandemie die Anzahl der Schüler reduziert, doch „wir sind optimistisch, wieder mehr Zulauf für diese wunderbare gemeinsame Arbeit und Aufgabe zu bekommen.“

VON RALPH F. WILD

Zwölf Menschen mit und ohne Behinderung umfasst derzeit die Veeh-Harfen-Gruppe in der Inklusionsarbeit auf dem Schönblick. „Wir waren schon deutlich mehr. In der Coronazeit sind einige abgesprungen und danach nicht zurückgekehrt. Warum, lässt sich leicht erklären: Für Menschen mit Handicap ist eine Struktur, ein geregelter Ablauf enorm wichtig. Die Pandemie hat dies nicht mehr erlaubt. Durch die Lockdowns wurde vieles nicht mehr möglich – und mehrere sprangen leider ab.“
Doch Dominique Selz, die gemeinsam mit Waltraud Kaufmann die Gruppe leitet, will nicht zurück, sondern nach vorne blicken: „Die Waltraud und ich haben mit der Inklusionsarbeit eine wunderbare Aufgabe bekommen. Es ist schön zu sehen, wie schnell das Ensemble Fortschritte gemacht hat und auch weiterhin macht.“ Zwar sei der Beginn vor sieben Jahren herausfordernd gewesen, doch schnell war damals zu sehen, dass die Arbeit erfolgreich sein würde. Und dabei spielen die Veeh-Harfen eine entscheidende Rolle: „Es gibt kein anderes Instrument, dass es erlaubt, in so kurzer Zeit Melodien einzuspielen. Das schafft, bei jedem, der die Harfe spielt, eine sehr große Motivation. Das erleben wir bei allen Gruppen hier auf dem Schönblick.“ Durch das Ehepaar Kaufmann werden noch zwei weitere Gruppen mit der Veeh-Harfe angeboten für Menschen ohne Handicap.
Doch was macht die Veeh-Harfe so besonders und vor allem für Behinderte so attraktiv? Einst wurde sie von Hermann Veeh entwickelt – er schuf damals ein Instrument, um seinem mit Trisomie 21 geborenen Sohn das Musizieren zu vereinfachen. Der Siegeszug des Instruments hatte begonnen. Und er setzt sich bis heute fort. „Auf dem Schönblick begannen wir einst mit Wochenendfreizeiten für Veeh-Harfen-Musiker. Doch Waldtraud und mir war schnell klar: Wir wollten ein kontinuierliches Angebot.“ Das ist längst Realität. Einmal in der Woche trifft sich die Gruppe für 45 Minuten.

Dominique Selz: „Nicht länger, da ansonsten die Konzentration nachlässt.“ Zudem dürfen pro Woche je zwei Musiker im Wechsel noch für weitere 45 Minuten in den Einzelunterricht bei der Sozialpädagogin. „Es hat sich über die Jahre gezeigt, dass wir so die Teilnehmer am besten motivieren können.“ Wie gut alles funktioniert, durfte das Ensemble schon bei mehreren Auftritten unter Beweis stellen: „Da geht es uns wie jedem Künstler: Vor Publikum zu spielen, das eigene Können zu demonstrieren und schließlich den Applaus zu bekommen: das ist der Lohn für jeden Musiker. Egal ob mit Handicap oder ohne. Umso schöner ist es bei uns, dass unsere Gruppe gemischt ist.“
Dominique Selz ist sich sicher, dass noch viele andere Musikbegeisterte über die Veeh-Harfen ihren Weg hinein in die Musik finden könnten. „Es wäre schön, wenn die Anzahl an Teilnehmern wieder steigen könnte auf das Niveau wie vor der Pandemie.“ Platz wäre jedenfalls noch genug. Wer Interesse hat für sich oder einen Angehörigen kann sich jederzeit unter der Email dominique.selz@schoenblick.de mit der Sozialpädagogin in Verbindung setzen und vielleicht bald schon zum Ensemble gehören. „Wir planen dafür natürlich eine zweite Gruppe, um mit Neulingen auch die Chance zu haben, von vorne zu beginnen“, sagt Dominique Selz und freut sich auf viele Anmeldungen. Übrigens: Auch andere Instrumente können gespielt werden. So stand die Musiklehrerin vor kurzem mit ihren Schüler Simon auf der Bühne – in einem Duett für Klavier und Geige. Ein beeindruckender Moment. „Es ist faszinierend, wie Simon trotz seiner Behinderung spielt. Das wollen wir all zusammen noch viel mehr unter Beweis stellen: Es spielt keine Rolle ob mit oder Handicap. Musik verbindet und ist ein wunderbares Hobby oder wie bei mir Beruf.“